Der letzte Tempelritter

Filmischer Hexenschuss "Der letzte Tempelritter". Mitten drin: Nicolas Cage im absurdesten Mittelalter-Mumpitz seit "Die Ritter der Kokosnuss".
 
Bild: pixabay.com

Ein Trauermärchen: Es war einmal ein ungemein talentierter, charismatischer Schauspieler namens Nicolas Cage, der in sowohl anspruchsvollen Meisterwerken, aber auch harmlosen Popcorn-Filmchen mitwirkte. Irgendwann entschloss er sich jedoch aus unerfindlichen Gründen, auf seinen guten Ruf zu pfeifen und Rollen anzunehmen, über die er früher höchstens gelacht hätte. Leider endet unser Märchen nicht mit einem Happy End, wie „Der letzte Tempelritter“ grauenhaft eindrucksvoll belegt.

Die Ritter von der schaurigen Gestalt

Mitteleuropa im finstersten Mittelalter: Die ehemaligen Kreuzritter Behman (Nicolas Cage) und sein Freund Felson (Ron Perlman) befinden sich als Deserteure auf der Flucht, seit sie bei der Erstürmung einer Burg mitansehen mussten, wie Frauen und Kinder hingemetzelt wurden. Was sie nicht wissen: Ihre Heimat wird vom Schwarzen Tod heimgesucht. In einer Stadt suchen sie Unterschlupf, werden aber durch Zufall aufgedeckt und gefangengenommen.
Der im Sterben liegende Kardinal D’Ambroise (Christopher Lee) macht ihnen jedoch ein Angebot, das sie vor dem Kerker bewahren würde. Sie sollen eine der Hexerei beschuldige junge Frau (Claire Foy) in ein Kloster bringen, wo über ihre Schuld oder Unschuld gerichtet werden solle. Zähneknirschend nehmen Behman und Felson den Auftrag an und eskortieren die Hexe in Begleitung des Priesters Debelzaq (Stephen Campbell Moore) zu jenem Kloster.
Eine heikle Aufgabe, führt der Weg doch nicht nur über die Alpen, sondern auch tiefe Schluchten und Wälder, aus denen angeblich noch nie ein Mensch wieder herausgefunden habe. Die größte und schlimmste Überraschung erwartet die Ritter aber am Ziel ihrer Reise …


Nicht wirklich „Der letzte Tempelritter“

Im US-Original firmierte der von Dominic Sena (unter anderem: „Kalifornia“, „Nur noch 60 Sekunden“) inszenierte Mittelalter-Thrillers unter dem Titel „Season of the Witch“. Ein durchaus sinniger Filmtitel, steht doch immerhin eine Hexe im Zentrum des Films. Auf Deutsch wurde daraus: „Der letzte Tempelritter“. Vermutlich möchte man damit auf den Nicolas-Cage-Blockbuster „Das Vermächtnis der Tempelritter“ anspielen und suggerieren, es handle sich um eine Art Fortsetzung (Sequel, Prequel, ach, equal!). Die Tatsache, dass der Titel schlichtweg unsinnig ist, da in dem Streifen weder die Tempelritter eine gewichtige Rolle spielen, noch Nicolas Cage einen „letzten“ Tempelritter verkörpert (was auch gar nicht möglich wäre, da er dem Orden entsagt), ist ein erster dezenter Hinweis auf die Absurdität des Leinwandwerks.
Auch in weiterer Folge schert sich der Film um keinerlei Petitessen wie Charakterisierungen oder eine in sich schlüssige Story. Stattdessen wirft Regisseur Sena so ziemlich alles in den filmischen Eintopf, dessen er habhaft werden kann. Kritik an den Kreuzzügen sowie dem Christentum (ungemein mutige Statements im 21. Jahrhundert), Hexenwahn, die Pest (welche allerdings umso unwichtiger wird, je länger der Mumpitz dauert), Wölfe, Dämonen und natürlich Nicolas Cages mimischen Ausdruckstanz zwischen „Ist die Kamera schon an?“ und „Ich bin jetzt sehr, sehr traurig / wütend / betroffen / schläfrig“.

Originell wie Toast Hawaii

Wie man mit relativ geringem Budget einen fesselnden Mittelalter-Thriller produzieren kann, exerzierte zuletzt Christopher Smiths „Black Death“ vor. Dominic Senas „Der letzte Tempelritter“ schneidet hingegen in Punkto Originalität und Spannung so lau wie ein Toast Hawaii ab. Ein paar Ritter kloppen sich, werden von hundsmiserabel animierten CGI-Wölfen angegriffen und müssen letztendlich gegen übernatürliche Wesen antreten.

Keine Angst: Ihnen wurde keine entscheidende Plotwendung verraten. Denn bereits mit der Eingangssequenz lässt der Film keinen Zweifel aufkommen, ob es sich um einen subtilen Horrorfilm der Marke „Black Death“ oder ein seltsames Horror-Fantasy-Potpourri handelt. Aber um mystische Atmosphäre kümmert sich Regisseur Sena ohnehin nicht. Wie bei einem Computerspiel wird ein Level nach dem nächsten rasch durchgeackert und abgehakt. Auf der Strecke bleiben Logik und jegliche Spannung. Insbesondere auf Grund der vorhersehbar klischeehaften Handlung. Vermeintlich Tote bewegen sich wieder – vielleicht erschreckt vom Zoom der Kamera -, selbst nach wildesten Kämpfen sehen tapfere Ritter wie aus dem Ei gepellt aus und an der Kippe zum Tod befindliche Figuren scheiden erst dann dahin, nachdem sie einen wichtigen Hinweis gegeben haben.

Untermalt wird das absurde Spektakel vom generisch dahinwummernden Soundtrack sowie Spezialeffekten aus dem CGI-Paläozoikum, die als längst ausgestorben galten.

Fazit nach zähen 95 Minuten: „Der letzte Tempelritter“ ist der wohl schlechteste Film, in welchem Nicolas Cage jemals mitspielte. Angesichts von Gurken wie „Knowing“ eine durchaus reife Leistung, die entsprechend gewürdigt werden sollte. Mit einem Toast Hawaii auf den neuen Trash-König von Hollywood!



Text: Rainer Innreiter

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen