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Vom TV auf die Leinwand

Was haben "Akte X", "Die nackte Kanone" oder "Star Trek" gemeinsam? Sie waren Serien im TV, die auf der Leinwand zum großen Erfolg wurden!
Fernsehserien, die auf Filmen basieren, sind keine Rarität. Viel seltener ist der umgekehrte Fall: Filme, die auf TV-Serien basieren, wie etwa die immens erfolgreichen "Star Trek"-Filme oder die "Nackte Kanone"-Trilogie, welche im Fernsehen gefloppt war. Angesichts der Ideenarmut Hollywoods ist wohl mit vielen weiteren TV-Serien im Kino zu rechnen.

Von der Mattscheibe auf die Leinwand

 Leonard Nimoy & William Shatner in "Raumschiff Enterprise"

Es ist wohl der Traum aller TV-Produzenten: Die eigene Fernsehserie auf die große Leinwand ins Kino zu bringen! Denn große Blockbuster können hunderte Millionen Dollar Gewinn einspielen, an denen eine Produktionsfirma anteilig beteiligt wird. Dass dies keine Utopie ist, bewies passenderweise eine Science-Fiction-Reihe.
Als 1966 die von Gene Roddenberry inszenierte Serie "Star Trek" (auf Deutsch: "Raumschiff Enterprise") erstmals über die Mattscheiben flimmerte, ahnte wohl niemand, welcher Kult sich daraus entwickeln sollte. Tatsächlich war "Star Trek" anfangs kein großer Erfolg beschieden und mauserte sich erst allmählich zu jenem erfolgreichen Phänomen, das wir heute kennen.


Star Trek im Kino

1979, wohl inspiriert vom sensationellen "Star Wars"-Erfolg, wurde der erste Kinofilm der Reihe produziert. Von der Kritik verrissen, vom Publikum geliebt legte "Star Trek: Der Film" den Grundstein zu einer der erfolgreichsten Kinoserien überhaupt. Alleine in den Kinos spielten die Filme bislang weit über eine Milliarde Dollar ein und bieten schier endloses Material für weitere Filme und Ableger im Fernsehen. Dieses Beispiel machte natürlich Schule - denn wo immer viel Geld zu verdienen ist, mischt Hollywood fleißig mit.



Egal, ob eine TV-Serie als Stoff für einen Leinwandfilm oder ein erfolgreicher Film als Ausgangspunkt für eine TV-Serie diente: In beiden Fällen bedienten sich die Produzenten der Bekanntheit des Vorbilds. Nicht immer mit Bravour, wie eine Vielzahl gefloppter TV-Ableger populärerer Blockbuster bewiesen.


So wurden etwa die TV-Adaptionen von Kassenschlagern wie "Planet der Affen" oder "Westworld" nach jeweils nur wenigen Folgen auf Grund desaströser Einschaltquoten eingestellt. Erfolgreicher waren Filmversionen bekannter TV-Hits wie S.W.A.T. (deutscher Titel: "Die knallharten Fünf"), das Ben-Stiller-Vehikel "Starsky & Hutch" oder die Leinwandversion der 80er-Kultserie "Das A-Team". Vielen dieser und ähnlichen Film- bzw. TV-Adaptionen ist eines gleich: Während die Schauspielcrew im Falle einer Leinwandversion den Sprung ins Kino wagen, gibt sich kaum ein Kinostar für die TV-Adaption her.

Akte X: Vom Flop zum Kult - und retour!

Manchmal freilich scheitern die Versuche, einen TV-Kult erfolgreich im Kino wiederzubeleben. Während 1998 der erste auf der Mystery-Serie "Akte X" basierende Kinofilm noch fast 200 Millionen Dollar in die Kassen spülte, floppte zehn Jahre später das Sequel "Akte X – Jenseits der Wahrheit" grausam.



Die Ironie daran: Anfangs lief die von 1993 - 2002 wegen der niedrigeren Produktionskosten in Kanada produzierte Mysteryserie beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Erst der Esoterik- und Mysteryboom der frühen 1990er Jahre und die sich langsam formierende Internetcommunity verhalfen der Serie zu beachtlichen Einschaltquoten und ihren Kultstatus. Dass der erste "Akte X"-Film zu einem der größten Blockbuster des Jahres avancierte, lag nicht zuletzt an seinem Zeitpunkt: Ende der 1990er Jahre befand sich der Mysteryboom auf dem Höhepunkt. Obwohl der Film viele Fans enttäuschte, füllte er die Kinokassen.
Der weitaus spannendere und besser inszenierte "Akte X – Jenseits der Wahrheit" konnte den Hype erwartungsgemäß nicht wiederholen und schmierte völlig ab. Dennoch ist mit einer Neubelebung der Serie mit völlig neuen Darstellern zu rechnen. Schließlich gilt auch im Fernsehen: Besser ein billiges Remake, als innovative Ideen riskieren!

Die nackte Kanone: TV-Flop, Kino-Blockbuster

Den Sonderfall einer im Fernsehen mäßig erfolgreichen TV-Serie, die im Kino zum Blockbuster geriet, stellte "Die nackte Kanone" dar. Mit dem unnachahmlichen Leslie Nielsen in der Hauptrolle eines tollpatschigen Detective, erwies sich die vom Produktionsteam Zucker, Abrahams & Zucker inszenierte Komödienreihe als cineastischer Volltreffer. Ohne großen Marketingaufwand oder aufsehenerregende Cameos schlugen die insgesamt drei Filme wie Lachbomben im Kino ein und gelten noch immer als Höhepunkt anspruchsloser Nonsense-Unterhaltung.


Fortan war Hauptdarsteller Leslie Nielson auf die Rolle des sympathischen Trottels abonniert. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der Kanadier über Jahrzehnte hinweg ausschließlich ernste Rollen verkörperte, unter anderem im SF-Klassiker "Alarm im Weltall" oder dem Katastrophenfilm "Die Höllenfahrt der Poseidon".

DVD und blu-ray verhindern Flops

Angesichts solcher Erfolgsbeispiele sollte es nicht verwundern, wenn noch mehr TV-Serien den Weg in die Kinos finden sollten, selbst jene, mit denen man kaum rechnen würde. Dank der Zweitauswertung aus DVDs und blu-rays ist es praktisch unmöglich geworden, einen Verluste bringenden Film zu produzieren.
Umgekehrt bietet das Fernsehen die Möglichkeit, mit relativ geringen Budgets zu arbeiten und im Erfolgsfall einen potenziellen Kinohit zu produzieren.


Die besten Horrorfilme der 1970er Jahre!

Werke wie "Der Exorzist", "Halloween" oder "Das Kettensägenmassaker" verhalfen dem Horrorfilm in den 1970er Jahren zur Hochblüte und sorgen noch heute für Gänsehaut.
Es ist kein Zufall, dass viele der berühmtesten und populärsten Horrorfilme in den 1970er Jahren produziert wurden. Die Aufbruchstimmung in Hollywood, wie auch die 68er-Bewegung ermöglichten den Bruch mit allerlei Tabus und Konventionen. Ein Film wie „Der Exorzist“ wäre noch wenige Jahre zuvor völlig unvorstellbar gewesen – kein Studio hätte das Drehbuch auch nur mit der Feuerzange angefasst. Doch plötzlich schien alles möglich und erlaubt! 

Film "Black Swan": Schwanengesang einer geschundenen Seele

Natalie Portman brilliert in Darren Aronofskys "Black Swan" als Balletttänzerin, die von ihrer Mutter (Barbara Hershey) zu Perfektion angetrieben wird.

In „The Wrestler“ porträtierte in Darren Aronofsky ein abgetakeltes, ehemaliges Sportidol, das die kümmerlichen Reste seiner Selbstachtung mühsam zusammenkittet. Etwas subtiler legt es der Regisseur in „Black Swan“ an. Von der rauen Männerwelt des Wrestling-Sports geht es in die künstlerischen Gefilde der Balletttänzerinnen. Freilich: Ob in „The Wrestler“ oder in „Black Swan“: Im Mittelpunkt stehen gescheiterte Existenzen auf ihrer verzweifelten Suche nach sich selbst. Gelingen: Ungewiss!

Bild: pixabay.com

Vom „White“ zum „Black Swan“

Die junge Nina (Natalie Portman) ordnet ihr gesamtes Leben der Ballettkunst unter, um ihren großen Traum zu erfüllen: Eines Tages als Primaballerina im Zentrum des Interesses zu stehen. Tatsächlich scheint sich dieser Traum der Erfüllung zu nähern, als Ballett-Regisseur Thomas Leroy (Vincent Cassel) seinen ehemaligen Star Beth (Winona Ryder) kurzerhand aus dem Programm nimmt und Nina für die Rolle der Primaballerina in einer Neuaufführung von „Schwanensee" einteilt.

Allerdings soll sie nur den weißen Schwan verkörpern, da sie seiner Meinung nach für den schwarzen Schwan nicht genug verruchter Verführungskunst besitzt. Nina ist enttäuscht und setzt alles daran, beide Rollen zu ergattern. Sie geht dabei so weit, beim Frauenheld Leroy persönlich vorzusprechen, was dieser prompt mit einem eindeutigen Angebot zu seinen Gunsten auslegt. Nina erhält die Doppelrolle, wohlwissend, welche besonderen Dienste sich Leroy dafür erwartet.

Nichtsdestotrotz ist sie vor Freude aus dem Häuschen und wird sogar von der strengen Mutter Erica (Barbara Hershey) gelobt. Härter als je zuvor trainiert Nina, um die in sie gesetzten Hoffnungen und Erwartungen zu erfüllen. Ausgerechnet die neue Tänzerin Lily (Mila Kunis) schürt in ihr Zweifel, ob der Verlust eines Privatlebens all die Mühen wert ist. Langsam, aber sicher beginnt Nina der Kontrolle ihrer Mutter zu entgleiten und nähert sich der lebenslustigen Lily an, deren Einfluss verheerende Folgen nach sich zieht …


Omnipräsente Natalie Portman

Für Hauptdarstellerin Natalie Portman war die Rolle eine ganz besondere Herausforderung. Angeblich bereitete sie sich ein Jahr lang darauf vor, um die von Perfektion besessene Balletttänzerin glaubwürdig verkörpern zu können. Der Einsatz hat sich gelohnt: Die durch „Leon - der Profi“ bekannt gewordene Amerikanerin dominiert „Black Swan“ in beeindruckender Weise. Zunächst legt sie ihre Rolle als zerbrechliche junge Frau ohne jegliches Selbstbewusstsein aus. Später fügt sie dem Charakter eine interessante Facette hinzu, nämlich jene des „schwarzen Schwanes“, der sinnbildlich für die Lust am Leben steht. Denn wie aus den Dialogen zu Beginn rasch ersichtlich wird, ordnete Nina ihre gesamte Existenz der Kunst unter.

Ausgerechnet einige provokante Äußerungen des Regisseurs Leroy locken sie aus ihrem Schneckenhaus heraus. Und als die lebenslustige und offensiv verführerische Lily ihre Kollegin Nina ins Nachtleben – samt Drinks, schnellem Sex und Drogen – einführt, spürt diese zum ersten Mal so etwas wie den Willen zu Veränderung. Doch schon bald regt sich das schlechte Gewissen wieder, das offensichtlich die Stimme ihrer Mutter reflektiert.

Von der eigenen Mutter missbraucht

Für Nina stellt ihre Mutter mehr als nur ihre natürliche Bezugsperson dar. Sie ist es auch, die ihre Tochter kontrolliert und Zeit ihres Lebens manipuliert. Unausgesprochen bleiben die seelischen und vermutlich auch körperlichen Misshandlungen durch Erica, die ihr eigenes Kind unablässig in Schuldgefühlen ertränkt und dadurch jede Hoffnung auf Liebe im Ansatz erstickt. In ihrer Verwirrung lässt Nina die Zudringlichkeiten des Balett-Choreographen über sich ergehen, träumt von verbotenem Sex mit Lily und befriedigt sich neben ihrer schlafenden Mutter.

Bild: pixabay.com
Dabei bleibt Darren Aronofsky stets hautnah an Natalie Portman dran, die jede Szene dominiert. Die Frage, wie weit Perfektion gehen darf, stellt sich erst gar nicht, nachdem die Wunden auf Ninas Seelen offenkundig werden. Leider lässt Aronofsky die psychologische Katze etwas zu früh aus dem Sack und macht keinen Hehl aus Ninas zerrüttetem Innenleben. Dadurch nimmt er zeitweise die Spannung heraus und trägt beim Porträt einer von ihrer sozialen Umwelt deformierten Frau, die zunehmende körperliche Veränderungen an sich feststellt, gar ein wenig zu dick auf.

Subtilere Veränderungen im Sinne einer Metamorphose vom unschuldigen weißen Schwan hin zum verführerischen schwarzen Schwan, hätten „Black Swan“ noch ein Tüpfelchen mehr an emotionaler Nähe verliehen.

Sei’s drum: Darren Aronofsky ist wiederum ein visuell, wie auch psychologisch beeindruckender Film gelungen, dessen Hauptdarstellerin eine brillante Leistung abliefert. Es sollte sehr verwundern, würde Natalie Portman keinen „Oscar“ für die beste weibliche Hauptrolle einheimsen. Dieser würde ihre Trophäensammlung nach dem „Golden Globe 2011“ vervollständigen. Nicht schlecht für eine noch junge Schauspielerin, die jahrelang als hübscher Aufputz in kitschigen Fantasy-Filmen alberne Kostüme tragen und schreckliche Dialogzeilen aufsagen musste …


 


Originaltitel: „Black Swan“
Regie: Darren Aronofsky                                
Produktionsland und -jahr: USA, 2010
Filmlänge: ca. 103 Minuten
Verleih: Twentieth Century Fox Home
FSK: Ab 16 Jahren freigegeben





Eine Filmkritik von Rainer Innreiter